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Gute Vor-Sätze

Natürlich wäre es schön, das nächste Jahr vielleicht mit etwas weniger „Goldrand“ auf den Hüften zu durchleben. Ich sollte mehr Obst essen, und ja, eigentlich viel mehr Wasser trinken statt immer nur Kaffee. Mal wieder ein Buch lesen oder die ZEIT statt NETFLIX nach neuen Serien mit Suchtpotenzial zu durchforsten. Meine Pflanzen regelmäßig gießen. Und das nasse Handtuch nach dem Duschen nicht immer auf dem Bett liegen lassen. Aber ganz ehrlich: Das ist gar nicht so leicht. Irgendwie hänge ich an meinen schlechten Gewohnheiten.

Aus diesem Grund habe ich in diesem Jahr gute Vorsätze der etwas anderen Art gefasst – also eher: verfasst. Es folgt: Ein Fragebogen von mir für mich.

 

Bitte beginnen Sie die folgenden Sätze:

Ich habe mich mal vier Wochen lang vegan ernährt, Kaffee mit Soja- und auch mit Mandelmilch probiert, für nicht trinkbar befunden und ihn dann notgedrungen weggelassen – ich hatte sehr schlechte Laune morgens,

…und deshalb steht es nicht zur Debatte, auf Kaffee zu verzichten.

 

Wenn ich am Morgen die Wahl habe zwischen einem Butterbrot mit Leberwurst und einem vitalen Müsli mit Banane und Heidelbeeren, dann entscheide ich mich definitiv für das Butterbrot,

…und das erklärt vermutlich ein bisschen, warum ich Obst am häufigsten als Dekoration auf Kuchen zu mir nehme.

 

Ich lese momentan dreimal täglich „Conni geht aufs Töpfchen“ vor und zum Aufwachen, Einschlafen und zwischendurch sowieso „Feuerwehrmann Sam“,

…und deshalb ist es auch okay, sich abends im Zweifelsfall zum 27. Mal die Gilmore Girls anzuschauen, statt in der ZEIT zu blättern.

 

Ich trinke ja wie gesagt selbst viel zu wenig Wasser,

…und darum sollen sich die ollen Pflanzen mal nicht so haben.

 

Es ist um ehrlich zu sein nie meine Hälfte des Bettes, die dabei nass wird,

…und aus diesem Grund werde ich vermutlich auch morgen wieder mein nasses Handtuch auf der Matratze liegen lassen.

 

Ich wünsche allen eine schöne Weihnachtszeit und natürlich einen guten Rutsch ins neue Jahr – möge es gute Vorsätze wahr werden lassen (oder die Gelassenheit bringen, es auch ohne hinzubekommen).

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  • edf: Christina Spill

„…und Frauen waren auch dabei“ – Gendergerechtes Schreiben

Um es gleich vorweg zu nehmen: Manchmal geht mir dieses ganze Gender-Ding ziemlich auf den Senkel. Zum Beispiel, wenn ich Texte für eine Mitarbeiter/-innenzeitschrift verfasse, in denen es – wie der Name schon sagt – zum Großteil um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht. Die mache ich dann oft auch aus der Not heraus zu Mitarbeitenden, weil die nämlich am wenigsten Platz wegnehmen – schließlich soll ja noch Raum sein für das, was diese Menschen (egal ob nun männlich, weiblich oder einem dritten oder gar keinem Geschlecht zugehörig) gesagt oder getan haben. Und das erscheint mir oft wichtiger als das krampfhafte Kenntlichmachen einer Verschiedenheit, die ja paradoxerweise Gleichheit signalisieren soll – meine Güte, natürlich arbeiten da auch Frauen, das ist doch selbstverständlich. Lassen Sie uns doch lieber über den Firmenlauf schreiben und bitte nicht so viele Zeichen darüber verlieren, dass Läufer/-innen und Walker/-innen teilgenommen haben (also Teilnehmer/-innen da waren). Das sieht, Entschuldigung, auch einfach kacke aus – und lesefreundlich ist es auch nicht.

Ich kann die Journalistin Claudia Mäder verstehen, wenn sie in ihrem Kommentar „Lassen wir die Sprache menschlich sein“ (Neue Zürcher Zeitung, 6. November 2018) schreibt:

 

„[…] Was trägt die Ausgestaltung unserer Sprache dazu bei, die Gleichheit zwischen den Geschlechtern zu fördern oder zu torpedieren?

 

Nichts, kann man dann zuerst einmal aus einer streng linguistischen Perspektive sagen. Der Richter, der Radfahrer und der Zuhörer zum Beispiel sind keine Erscheinungen eines diskriminierenden maskulinen Systems, sie sind grammatische Formen einer weitgehend arbiträr entstandenen sprachlichen Struktur. […] Für die Zuordnung zur einen oder anderen Art (denn nichts anderes heisst Genus ja primär) sind vermutlich Kriterien der Quantifizierbarkeit ausschlaggebend gewesen – Wörter mit maskulinem Genus waren zählbar (der Baum), Feminina waren es nicht (die Freiheit). Die Endung -er sodann, die gemeinhin im Zentrum der Kritik steht, war innerhalb dieses Sprachsystems vorerst nichts anderes als eine Markierung, die ein Verb in ein Substantiv überführte, also aus einem Menschen, der zuhörte, einen menschlichen Zuhörer machte.

 

Nun existiert die Sprache nicht unabhängig von ihrem Gebrauch: Selbstverständlich denken wir bei unzähligen eigentlich generischen -er-Formen primär an Männer. Aber die Tatsache, dass uns das Wort Richter spontan an einen älteren Herrn und nicht an eine junge Frau denken lässt, können wir schlecht der Sprache anlasten – es war das in Handlungen übersetzte Denken unserer Gesellschaften, das diese sprachlich neutrale Position bis in die jüngste Zeit ausschliesslich mit Männern besetzte.“

Natürlich kann die arme Sprache auch nichts dafür, dass das mit der Gleichberechtigung nur schleppend voranging (oder: geht), und deshalb handelt es sich auch in erste Linie um ein soziologisches, nicht um ein linguistisches Problem. Klar ist aber auch: Wer Frauen nicht explizit erwähnt und sie immer nur „mitmeint“, der macht sie für die Vorstellungskraft der Lesenden unsichtbar. Sprache beeinflusst unser Denken – werden nur Männer erwähnt, hat das Konsequenzen. So zeigt eine 2015 veröffentlichte Studie, dass mehr Mädchen sich vorstellen können, einen typischen Männerberuf zu ergreifen, wenn für diesen Beruf auch die weiblichen Bezeichnungen mitgenannt werden. Umgekehrt verhält es sich genauso: Sobald die männliche Form in Bezug auf typische Frauenberufe verwendet wird, fühlen sie sich eher angesprochen – und können sich vorstellen, diesen Job selbst auszuüben.[1] Lange Rede, kurzer Sinn: Ich halte gendergerechtes Schreiben für sinnvoll. Und im Folgenden möchte ich gerne zeigen, wie ich das tue.

Sichtbarmachung

  1. Beide Bezeichnungen ausschreiben

Hier finden Sie alle in Siegen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte.

Diese Lösung finde ich persönlich besser und lesbarer, als das Ganze mit einem „/-innen“ zu verkürzen:

Alle Mitarbeiter/-innen sind herzlich zur Weihnachtsfeier eingeladen.

Die Verkürzung mit Schrägstrich und Bindestrich ist übrigens nur sinnvoll, wenn das Gesamtwort grammatisch korrekt ist. So ist zum Beispiel der Dativ Plural den Mitarbeiter/-innen ungrammatisch, da die Flexionsendung n von Mitarbeitern dabei verloren geht.

Auch das Einklammern empfinde ich als unschöne Lösung, weil auch dabei eine Hierarchie entsteht (und die weibliche Form weggeklammert wird).

Neutralisierung

Den Geschlechtsbezug kann man in vielen Fällen vermeiden:

Studierende statt Studenten und Studentinnen

Angestellte oder Mitarbeitende statt Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

Lehrkräfte oder Kollegium statt Lehrer und Lehrerinnen

Umschreibung

Man kann es ja auch anders sagen:

Statt

Die Teilnehmer (und Teilnehmerinnen) am Seminar werden gebeten, sich noch einmal per E-Mail verbindlich anzumelden.

zum Beispiel

Für die Teilnahme am Seminar ist eine verbindliche Anmeldung per E-Mail erforderlich.

Andere Möglichkeiten

Binnenmajuskel: KollegInnen

Hier werden zwar Männer und Frauen gleichermaßen angesprochen, aber diese Variante hemmt den Lesefluss, wie ich finde – und auf den ersten Blick wirkt es oft so, als hätte sich da jemand vertippt.

Gendersternchen: Kolleg*innen

Gendergap: Kolleg_innen

Diese Varianten sind nicht als Abkürzungen der Doppelform gedacht, sondern sollen die darin enthaltene Zweigeschlechtlichkeit durchbrechen – das Sternchen und die Lücke sind also Platzhalter für weitere mögliche Geschlechter.

Übrigens: Der Rat für deutsche Rechtschreibung, der zuletzt am 16. November in Passau tagte, sieht gendergerechtes Schreiben, vor allem auch die Verwendung verschiedener Bezeichnungen des dritten Geschlechts, noch in der Erprobungsphase. „Die Erprobungsphase verschiedener Bezeichnungen des dritten Geschlechts verläuft in den Ländern des deutschen Sprachraums unterschiedlich schnell und intensiv. Sie soll nicht durch vorzeitige Empfehlungen und Festlegungen des Rats für deutsche Rechtschreibung beeinflusst werden.“

 

[1] Dries Vervecken, Bettina Hannover: Yes I can! Effects of gender fair job descriptions on children’s perceptions of job status, job difficulty, and vocational self-efficacy. In: Social Psychology Nr. 46 (2015), S. 76–92.

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  • edf: Christina Spill

Bitte bleibt zusammen! Und rettet den Bindestrich!

Neulich im Drogeriemarkt hätte ich am liebsten vor allem eines gekauft: Eine Packung Bindestriche. Um das Schlimmste zu verhindern. Zum Beispiel, als mir eine Tüte mit der Aufschrift

Buch

Weizen

Mehl

ins Auge fiel – die drei Begriffe grafisch unbestritten ansprechend untereinander angeordnet. Mindestens eine der genannten Zutaten war allerdings ganz sicher nicht darin enthalten. Die Schreibweise „Buchweizen-Mehl“ wäre vielleicht ein Kompromiss gewesen. Meinetwegen auch

Buch-

weizen-

mehl

– ansonsten heißt das Zeug ganz einfach „Buchweizenmehl“, lässt sich so geschrieben immer noch gut lesen und schmeckt im besten Fall nicht nach gemahlenen Buchseiten. Auch, dass die „2. Damen Bluse“ und das „2. Herren Hemd“ im Modegeschäft gegenüber für die Hälfte des regulären Preises zu haben waren, konnte mich über die allgemeine Trennungswut nicht hinwegtrösten. Warum trennt der Mensch bloß, was doch zusammengehört? Was ist an einer „Damenbluse“ so kompliziert?

Aussehen ist nicht alles

Vor allem aus den Marketing- und Werbeabteilungen ist an dieser Stelle ein Aufschrei zu vernehmen: „Das sieht einfach besser aus!“ Das mag ja sein. Falsch ist es trotzdem. Und Rechtschreibung kein Wunschkonzert. Insbesondere bei Marken- oder Firmennamen scheint es mittlerweile regelrecht verpönt zu sein, diese in Kombination mit anderen Begriffen zusammenzuschreiben. Wenn aber ein Unternehmer namens Meyer Mehl verkauft, dann ist das eben Meyer-Mehl – und kein Meyer Mehl. Und wenn besagtes Unternehmen noch eine App zu seinen Produkten entwickelt, dann ist das die Meyer-Mehl-App. Es mag sein, dass das in Bezug auf die Suchmaschinenoptimierung zu etwas anderen Ergebnissen führt. Aber ich verstehe trotzdem nicht, dass auch namhafte Unternehmen dafür konsequent falsche Rechtschreibung auf ihren Homepages in Kauf nehmen – genauso wie auf ihren Produkten und in sämtlichen Druckerzeugnissen.

Bei unübersichtlichen Wortverbindungen bieten Bindestriche Orientierung und zeigen dem Leser, was zusammengehört. Vor allem bei Komposita mit mehr als zwei Wörtern ist das wirklich hilfreich, das „Preis-Leistungs-Verhältnis“ ist da ein gutes Beispiel.

Drum prüfe, wer die Wörter bindet…

Der Duden sagt im Übrigen Folgendes zur Verwendung von Bindestrichen:

a) Ein Bindestrich KANN zur Hervorhebung einzelner Bestandteile von Zusammensetzungen und Ableitungen gesetzt werden:

die Hoch-Zeit der Renaissance

b) Bei unübersichtlichen oder sonst schlecht lesbaren Zusammensetzungen aus gleichrangigen Adjektiven wird ein Bindestrich gesetzt:

die deutsch-amerikanische Freundschaft

c) Ein Bindestrich KANN gesetzt werden, um Missverständnisse zu vermeiden:

Talentwertung – Tal-Entwertung oder Talent-Wertung

d) Beim Aufeinandertreffen dreier gleicher Buchstaben in Zusammensetzungen KANN ein Bindestrich gesetzt werden:

Schwimm-Meisterschaft (oder eben Schwimmmeisterschaft)

e) In Aneinanderreihungen und Zusammensetzungen mit Wortgruppen setzt man Bindestriche zwischen die einzelnen Wörter:

Mund-zu-Mund-Beatmung

Gustav-von-Mevissen-Straße

Erstaunlich ist, wie viele Bildungseinrichtungen diese Rechtschreibregel bei der eigenen Namensgebung ignorieren – zum Beispiel die Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

f) In Zusammensetzungen mit Abkürzungen steht auch ein Bindestrich:

Kfz-Werkstatt

g) Ein Bindestrich steht in Zusammensetzungen mit einzelnen Buchstaben und Ziffern:

der 21-jährige Fahrer, sämtliche 21-Jährigen

eine l-förmige Tischordnung

Wer noch mehr Regeln und Beispiele möchte, schlage den Duden auf (das geht auch online). Dort steht auch geschrieben, wie das mit der Getrennt- und Zusammenschreibung genau funktioniert.

Trennung tut weh

Hier noch zwei Beispiele aus der Fundgrube, die hoffentlich verdeutlichen, wie wichtig der richtige Zusammenhalt ist….

Aus der Abteilung „Kannibalische Köstlichkeiten“:

Viktoria Barsch mit Kopfsalat und Salzkartoffeln

Und zum Thema „Don’t drink and drive“:

VOLL

TANKEN

NULL

ZAHLEN

 

Darum: Schreibt zusammen, was zusammengehört!

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  • oznor: Christina Spill

„Servus, Grüezi und Hallo“

…mit diesem Titel eroberten Maria und Margot Hellwig 1977 die Hitparaden der Volksmusik – und er verleitet heute noch den einen oder anderen zum Mitschmettern und Mitschunkeln. Weniger geeignet ist er allerdings als Anrede für geschäftliche Briefe oder E-Mails. Schade eigentlich. Denn so mancher – da schließe ich mich gerne mit ein – würde sich über eine Alternative zum doch sehr förmlichen und distanzierten „Sehr geehrter Herr Müller“ freuen. Auch „Hallöchen“, „Hallihallo“ oder „Hi“ sind keine gute Idee, möchte man einen halbwegs professionellen Eindruck bei seinem Kunden oder Geschäftspartner hinterlassen. Aber was ist denn nun eine moderne und vertretbare Variante für eine Anrede auf geschäftlicher Ebene?

 

 „Guten Tag, Herr Müller“

…oder eben auch „Guten Tag, Frau Schneider“ sind adäquate Grußformeln – höflich, aber ein wenig näher dran am Adressaten als die gute alte „Ehrerbietung“ zu Beginn eines Briefes oder einer E-Mail. Wer einigermaßen sicher ist, dass der Empfänger die Nachricht auch zeitnah lesen wird, kann außerdem je nach Tageszeit auch „Guten Morgen“ oder „Guten Abend“ schreiben.

 

„Liebe Frau Schneider“

…setzt voraus, dass Sie Frau Schneider schon kennen. Die Anrede ist sehr vertraulich – und kann schnell unpassend werden, falls im Laufe des schriftlichen Austausches auch Unangenehmes angesprochen werden muss. Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Krankenkasse entscheidet sich für die standardisierte Anrede „Lieber Herr Müller/Liebe Frau Schneider“. Das passt super, solange es um angenehme Belange geht: Eine Kostenerstattung oder die Information zu Zusatzleistungen beispielsweise. Wird aber eine Kostenübernahme abgelehnt oder ist man sich anderweitig uneinig, kommt das „Liebe Frau Schneider“ schnell wie Hohn daher. Ansonsten ist diese Anrede aber durchaus vertretbar, nämlich für sehr gute und vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen.

 

„Hallo, Herr Müller“

Bei der Frage, wie so ein „Hallo“ in der E-Mail oder im Geschäftsbrief ankommt, sind natürlich auch das Alter des Adressaten und die Branche, in der er arbeitet, entscheidend. Ich würde dennoch darauf verzichten und benutze diese Anrede nur, wenn ich mit jemandem per Du bin – oder wirklich seit langem mit ihm oder ihr Kontakt habe. „Hallo“ ist nämlich schon ziemlich persönlich.

 

„Sie haben damit angefangen!“

Am einfachsten ist es natürlich, wenn man zuerst angeschrieben wird – dann kann man mit der Anrede, mit der man selbst angesprochen wurde, nämlich in der Regel nichts falsch machen. Wer selbst eine sehr förmliche Sprache wählt, wird eine Antwort im selben Stil nicht zu distanziert finden. Und wer sich für ein „Hallo“ entscheidet, wird es selbst wohl nicht als zu salopp betrachten, so angesprochen zu werden.

 

Sehr geehrt ist nicht verkehrt

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Falsch liegt man mit „Sehr geehrter Herr Müller“ natürlich auch heute nicht. Die Anrede ist höflich und respektvoll – und damit ist man bei einem Erstkontakt immer auf der sicheren Seite.

 

Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen.

 

„Adios heißt Auf Wiedersehn“

(…das ist ein Titel von den Flippers und übrigens als Grußformel auch eher ungeeignet)

 

Ihre Christina Spill

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  • bty: Christina Spill

Geschäftliche Weihnachtsgrüße

Die ersten Türchen im Adventskalender sind bereits geöffnet – allerhöchste Zeit also, Weihnachts- und Neujahrswünsche für Kunden und Geschäftspartner auf den Weg zu bringen. Denn viele haben am Ende des Jahres noch Urlaub übrig und verabschieden sich unter Umständen schon weit vor den Feiertagen in die Ferien. Andere rotieren bis zum Schluss und würden eine Karte, die auf den letzten Drücker in den Briefkasten schneit, vielleicht sogar übersehen. Beides wäre schade.

Ich weiß: Vor allem bei der alljährlichen Weihnachtspost ist es schwierig, das Rad neu zu erfinden. Das müssen Sie auch gar nicht. Allerdings sollten Sie sich Zeit nehmen für die Grüße – schließlich geht es hier um Wertschätzung und ein aufrichtiges Dankeschön für die gute Zusammenarbeit. Dazu gehört im Übrigen nicht nur ein guter Text, sondern auch die passende Hülle: Fragen Sie jemanden, der sich mit sowas auskennt und eine geschmackvolle Karte plus Umschläge für Sie gestaltet. Im Folgenden finden Sie ein paar Tipps für gelungene Weihnachtskartentexte.

 

Analog statt digital

Natürlich haben auch virtuelle Weihnachtskarten durchaus ihren Charme. Sie sind in der Regel schnell erstellt – genauso schnell landen sie aber auch im digitalen Papierkorb oder geraten in Vergessenheit. Laut einer Studie von 2016 erhalten deutsche Führungskräfte satte 30.000 E-Mails pro Jahr, bei Angestellten sieht es nicht viel besser aus. Mit einer Karte oder gar einem Brief hat man meiner Meinung nach immer noch größere Chancen auf einen bleibenden Eindruck.

 

Werden Sie persönlich

Beim Erstellen Ihrer Weihnachtsgrüße gilt: Je persönlicher Sie sie gestalten, desto mehr Wertschätzung kommt beim Empfänger an. Sie müssen nicht alles handschriftlich festhalten, aber vielleicht können Sie ja wenigstens die Anrede oder zumindest die Unterschrift per Hand schreiben. Lassen Sie eventuell unter dem allgemeinen Text noch Platz für persönliche Worte. Das Unternehmen ist in ein neues Gebäude umgezogen? Sie haben eine besondere Anekdote auf Lager, die die gemeinsame Arbeit betrifft? Nehmen Sie Bezug auf diese Ereignisse. Achten Sie nur darauf, Zweideutigkeiten zu vermeiden: Lassen Sie Ihren Text ruhig von einer anderen Person gegenlesen, bevor der Empfänger am Ende etwas in den falschen Hals bekommt.

 

Zitate und Sprüche

Sinnsprüche und Zitate mit Bezug auf Weihnachten oder den Jahreswechsel lassen sich im darauffolgenden Text sehr gut aufnehmen, darin enthaltene Wortfelder/Bilder verbinden sich unter Umständen gut mit Ihren Danksagungen und guten Wünschen für den Adressaten. Manchmal eine gute Inspiration, wenn man Formulierungen wie „Ich bedanke mich herzlich für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit im vergangenen Jahr“ nicht mehr sehen kann. Wobei daran grundsätzlich gar nichts auszusetzen ist.

 

Aufbau einer Weihnachtskarte

Man nehme:

  • Ein paar Gedanken zum Anlass, also zu Weihnachten oder zum Jahreswechsel
  • Einen kurzen Rückblick auf das Geschäftsjahr und die Zusammenarbeit
  • Ein Dankeschön
  • Einen Ausblick auf das neue Jahr
  • Persönliche Wünsche für die Advents- und Weihnachtszeit und den Jahreswechsel
  • Eine Unterschrift

 

Und falls Sie immer noch nicht so richtig wissen, wie Ihre Weihnachtsgrüße aussehen sollen: Ich schreibe gerne einen Text für Ihre Karten.

 

Ich wünsche Ihnen, Ihren Mitarbeitern, Kollegen und Familien eine schöne Weihnachtszeit mit hoffentlich viel Ruhe und Platz für die Dinge und Menschen, die Ihnen wichtig sind. Passen Sie auf sich auf. Wir lesen, hören und sehen uns im neuen Jahr.

 

Ihre Christina Spill

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  • selfp: Christina Spill

„Liebe Presse…“ – Tipps für Pressemitteilungen / Teil 2

Im zweiten Teil meines kleinen Ratgebers soll es um Floskeln gehen, die Sie beim Verfassen Ihrer Pressemitteilung vermeiden sollten. Vieles davon ist einfach schief formuliert, wird aber so oft verwendet, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken und die Ausdrucksweise einfach übernehmen. Passiert mir übrigens auch immer wieder, um ganz ehrlich zu sein. Andere Formulierungen haben dafür inhaltlich kaum etwas zu bieten – und sind deshalb überflüssig.

 

An dieser Stelle also einige der häufigsten und leicht vermeidbaren Floskeln:

 

„Bis auf den letzten Platz gefüllt“ bedeutet, wenn man kurz darüber nachdenkt, dass EIN Platz also nicht besetzt war – und das möchte der Verfasser in den seltensten Fällen sagen. Die Veranstaltung war komplett ausverkauft.

 

„Für das leibliche Wohl ist gesorgt“. Ist das wirklich wichtig? Diese Floskel ist nicht totzukriegen, bietet aber kaum brauchbare Informationen. „Es gibt halt irgendwas zu essen“ würden Sie ja auch nicht schreiben, oder? Wenn Sie das Ganze dennoch thematisieren möchten, dann sagen Sie doch wenigstens, WAS es Leckeres gibt, damit man sich darauf freuen kann.

 

„Wie auch schon im letzten Jahr, so…“ – Wer jetzt noch weiterliest, ist selber schuld. Ein spannender Einstieg sieht jedenfalls anders aus.

 

„Der Vorsitzende ließ in seinem Bericht das vergangene Jahr Revue passieren.“ Was soll er auch sonst tun? Wenn Sie das Ganze unbedingt erwähnen möchten, gehen Sie vielleicht auf ein oder zwei Besonderheiten aus diesem Bericht ein, erinnern Sie die Leser an wichtige Ereignisse. Ansonsten ist dieser Satz vollkommen überflüssig.

 

„Das Tanzbein schwingen“ – von dieser Aktivität liest man häufig. Allerdings: Die meisten Menschen haben dann ja doch zwei untere Extremitäten. Welches ist das Tanzbein? Und was macht das andere währenddessen?

 

– Wenn etwas am letzten Sonntag stattgefunden hat, ist das wahrlich ein Grund zur Besorgnis, denn das heißt im Klartext: Es wird keinen weiteren Sonntag mehr geben, das war der letzte. Gemeint war aber wahrscheinlich der vergangene Sonntag. Oder?

 

– Das Café befindet sich AN der Poststraße, nicht IN der Poststraße. Auch, wenn letztere Formulierung sogar häufig in verschiedenen Printmedien zu lesen ist: Sie ist schief. Schließlich wurde nicht die ganze Straße aufgerissen, damit das neue Café darin Platz findet.

 

„Die ABC GmbH lädt am Donnerstag, 19. Oktober, zum Herbstfest ein.“ Mit anderen Worten: Sie sprechen die Einladung nicht jetzt, sondern erst am Donnerstag aus. Was ja zu spät ist, schließlich findet die Veranstaltung dann schon statt. „Die ABC GmbH lädt FÜR Donnerstag, 19. Oktober, zum Herbstfest ein.“ Dann passt es wieder.

 

Viel Spaß beim Umsetzen. Und sollten Sie dennoch Hilfe beim Formulieren Ihrer Pressemitteilung benötigen, dann melden Sie sich doch einfach bei mir.

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„Liebe Presse…“ – Tipps für Pressemitteilungen / Teil 1

 

Als Redakteurin habe ich etliche bearbeitet und mich über viele geärgert, als selbstständige Texterin verfasse ich nun selbst welche und profitiere von den Erfahrungen, die ich bei der Tageszeitung sammeln durfte: Pressemitteilungen sind ein Kapitel für sich – aber eigentlich kein Hexenwerk. Die wichtigste Information für alle Verfasser von Pressemitteilungen: Ein Redakteur hat keine Zeit. Und weil das so ist, hat er herzlich wenig Lust, sich mit dem Redigieren Ihres Textes aufzuhalten. Wenn es gut läuft, ist der Schreiberling zwar am Ende hochgradig genervt von Ihnen und Ihrem Anliegen, veröffentlicht Ihre Informationen nach einer umfassenden Bearbeitung aber trotzdem. Im ungünstigsten Fall wandert Ihr Textwerk nach einem kurzen, prüfenden Blick in der digitalen Tonne. Letzteres ist leider sehr viel wahrscheinlicher. Deshalb hier ein paar Tipps.

 

Bevor es losgeht…

Bevor Sie überhaupt anfangen zu schreiben: Seien Sie sich im Klaren darüber, was die Neuigkeit ist, die Sie unters Volk bringen möchten. Versetzen Sie sich in die Lage der potenziellen Leserschaft und fragen Sie sich: „Interessiert das jemanden?   Was ist der Mehrwert für die Leser?“ Sollten Sie zu dem Schluss kommen, dass Laien mit den News nichts anfangen können, kommt vielleicht eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift infrage. Ansonsten lieber abwarten, bis Sie vom Nachrichtenwert für andere überzeugt sind.

 

Formales

– Kurz und knapp zum Aufbau: Eine Pressemitteilung ist mit dem Wort „Pressemitteilung“ als solche zu kennzeichnen, außerdem gehören eine Ortsmarke und das Datum der Veröffentlichung auf das Dokument. Es folgen eine Überschrift (Head) und eine Unterzeile (Subhead), letztere enthält mehr Informationen zu dem in der Überschrift angeschnittenen Thema. Im Lead, also der Einleitung, werden die W-Fragen  (siehe weiter unten) beantwortet, in nachfolgenden Abschnitten können Sie etwas in die Tiefe gehen. Bei etwas längeren Mitteilungen können Zwischenüberschriften helfen, den Leser bei der Stange zu halten. Am Ende der Pressemitteilung steht der Ansprechpartner mit Kontaktdaten!

– Zusätzliches Material wie Bilder oder Infografiken erhöhen die Chance für eine Veröffentlichung. Beides sollte druckfähig (zumindest bei Printmedien!) und entsprechend hoch genug aufgelöst sein. Wer sehr viel Zusatzmaterial  bieten kann, sollte eher einen Link zum Download bereitstellen statt alles zu versenden.

– Verwenden Sie bitte eine ganz gewöhnliche Word-Datei oder ein gängiges Datei-Format, das Redakteure problemlos öffnen und bearbeiten können. Nichts ist nerviger als einen Text tatsächlich noch einmal komplett abtippen zu müssen, nur weil er sich nicht kopieren lässt.

Zahlen  von eins bis zwölf werden ausgeschrieben, ab 13 dann als Ziffer dargestellt.

– Längen von mehr als einer DIN-A-4-Seite sind schwierig. Konzentrieren Sie sich also auf das Wesentliche, formulieren sie kurz und knackig .

 

Aufbau

– Das Wichtigste kommt zuerst. Wenn Sie Pech haben, kann der Redakteur für Ihre Mitteilung nur ganz wenig Platz einräumen – da ist es hilfreich, wenn alle relevanten Informationen am Anfang stehen. Orientieren Sie sich dabei an den guten alten W-Fragen : Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? Woher?

– …tun Sie sich aber selbst einen Gefallen: Vermeiden Sie um Himmels Willen einen ersten Satz, der folgendermaßen beginnt: „Am Samstag, 17. Juni, wird um 15 Uhr das Café XY an der Rosenstraße in Hintertupfingen eröffnet.“ Spätestens jetzt ist der Leser nämlich eingeschlafen. Große Spannungsbögen müssen Sie in einer Pressemitteilung auch nicht aufbauen, aber machen Sie sich interessant . Und gestalten Sie die Überschrift und den ersten Satz so, dass der Leser bei Ihnen bleibt.

 

Stil

– Eine Pressemitteilung ist keine Werbung  und richtet sich nicht an Endkunden, die Sie von Ihren Produkten, Dienstleistungen oder Ihrem Unternehmen im Allgemeinen überzeugen sollen. Superlative wie „das beste Produkt“ oder „die innovativste Lösung“ gehören deshalb auf keinen Fall in eine Pressemitteilung – es sei denn, Sie können sie tatsächlich belegen. Bleiben Sie objektiv. Lobhudeleien auf Ihr Unternehmen werden ersatzlos gestrichen oder führen im schlimmsten Fall dazu, dass gar nichts veröffentlicht wird.

– Schreiben Sie Ihre Pressemitteilung immer aus Sicht des Mediums, in dem sie veröffentlicht werden soll. Das bedeutet: Formulierungen wie „Wir laden herzlich zum Sommerfest ein“ oder „Unser Unternehmen ist seit 150 Jahren fest in der Region verankert“ haben hier nichts verloren und müssen von der Redaktion mühsam bearbeitet werden. Also bitte immer gleich in der 3. Person  formulieren: „Die ABC AG lädt zum Sommerfest ein“ und „Bernhard ABC gründete das Unternehmen 1867“.

– Wenn Sie Angaben zu Personen machen, nennen Sie bitte deren vollständigen Vor- und Nachnamen . Herr Meier und Frau Müller werden es Ihnen danken. Der zuständige Redakteur auch.

– Verwenden Sie aktive Sprache , vermeiden Sie Passivkonstruktionen. Also „Geschäftsführer XY stellte die Umsatzzahlen für 2016 vor“ statt „Die Umsatzzahlen für 2016 wurden von Geschäftsführer XY vorgestellt“.

– Wer ist eigentlich dieser „man“? Manchmal kann man das Wörtchen „man“  nicht vermeiden. Aber wo es Ihnen möglich ist, sollten Sie konkret sagen, wer da was tut, sagt oder denkt.

­- Zitate lockern einen Text auf und bieten Ihnen die Möglichkeit, Verantwortliche in Ihrem Unternehmen in den Vordergrund zu rücken. Vor allem Meinungen und Einschätzungen können Sie mithilfe der wörtlichen Rede gut wiedergeben.

 

Im zweiten Teil wird es übrigens um Stilblüten, Floskeln und schiefe Formulierungen gehen. Wir lesen uns!

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500 Wörter zum Thema
„Bezahlung pro Zeile“

Schreiben im Allgemeinen ist recht leicht. Nehmen Sie diesen Absatz hier zum Beispiel: Den tippe ich gerade einfach so runter, ohne groß darüber nachdenken zu müssen. Ich weiß, was ich sagen will, das Thema ist nicht sonderlich kompliziert. Für diesen Abschnitt habe ich jetzt noch nicht einmal eine Minute gebraucht. Mit zehn Fingern tippt es sich super schnell, wenn man weiß, was man schreiben soll. Ein selbst gewähltes Thema schriftlich aufzugreifen, ist für mich kein Problem. Das geht ratzfatz.

Man nehme: Viel Zeit und gute Vorbereitung

Anders sieht es aber aus, wenn ich einen Text für Sie verfassen soll. Dazu muss ich Sie bzw. Ihr Unternehmen erst einmal kennenlernen. Und herausfinden, wer und wie Sie sind, wer Ihre Kunden sind, was Sie verkaufen möchten. Wie Sie selbst Ihre Kunden ansprechen, worauf die besonders Wert legen, welche Wünsche sie wiederum an die Zusammenarbeit mit Ihnen haben. Dabei müssen Sie mir helfen. Ich muss Sie kennenlernen, mit Ihnen sprechen, mich einlesen. Und das braucht Zeit. Schließlich wollen Sie keine Textlösung von der Stange, keinen Lückentext, in den ich einfach nur Ihren Firmennamen einfüge, sondern ein Ergebnis, in dem Sie sich und Ihr Unternehmen wiedererkennen. Einen Text also, der es wert ist, gelesen zu werden, weil er wichtige Informationen kompakt und leicht verständlich wiedergibt und gleichzeitig einfach gut klingt – nach Ihnen nämlich. Dabei ist es völlig unerheblich, ob es sich um einen Katalogtext, eine Pressemitteilung oder Inhalte für Ihre Homepage handelt.

Ein guter Text ist wie ein Haus

Mit dem Schreiben ist es ein bisschen so wie mit dem Hausbau: Man braucht für den Anfang ein solides Fundament. Alles, was danach kommt, baut darauf auf, greift ineinander, passt zusammen, fügt sich lückenlos ein. So entsteht ein Mauerwerk, das hält. Oder in meinem Fall eben ein Wortwerk. Dafür mache ich mir viele Gedanken, ich probiere aus, nehme einen Satz weg, füge einen anderen ein. Bis ein Text steht, dauert es eine Weile.
Sehr häufig höre ich die Frage: „Was nehmen Sie pro Zeile?“ oder „Wie viel kosten 500 Wörter?“ Aus den oben genannten Gründen hoffe ich auf Verständnis dafür, dass das so nicht funktioniert. Im Chat mit dem besten Freund mögen 500 Wörter manchmal binnen weniger Minuten zusammenkommen – da schreibt man einfach drauf los. Aber wissen Sie noch, wie lange Sie an Ihrem letzten Bewerbungsanschreiben gefeilt haben – als es Ihnen nämlich wichtig war, den bestmöglichen Text abzuliefern?

Womit Sie bei mir rechnen können

Keine Sorge: Natürlich bekommen Sie von mir vorab eine Einschätzung darüber, wie viele Arbeitsstunden ich maximal mit Ihrem Auftrag beschäftigt sein werde. Schließlich möchten Sie wissen, womit Sie rechnen müssen. Einen Pauschalpreis pro Textzeile kann und will ich aber nicht festlegen. Immerhin tippe ich hier nicht Ihren Einkaufszettel, sondern verfasse einen Text, der Sie und Ihr Unternehmen repräsentiert. Und das mache ich gerne gut und sorgfältig.
Übrigens: Wenn Sie jetzt mal die Wörter dieses Textes hier inklusive Überschrift und Zwischenüberschriften zusammenzählen, kommen Sie ganz genau auf die Zahl 500. Toll, oder? Finde ich auch.

Mir fehlen die Worte

„Mir fehlen die Worte ich/hab die Worte nicht/dir zu sagen was ich fühl’/ich bin ohne Worte ich/finde die Worte nicht/ich hab keine Worte für dich“

Das sind eigentlich die Worte von Tim Bendzko, und eigentlich besingt er damit seine Unfähigkeit, der Angebeteten seine Gefühle zu offenbaren (und eigentlich finde ich Tim Bendzko nur so mittel gut), aber sie beschreiben irgendwie ganz treffend die Sprachlosigkeit, die auch mich zuweilen beschleicht. Und das, obwohl ich bekanntermaßen mein Geld mit dem Suchen und Finden der passenden Worte verdiene.

Wenn mir jemand dumm kommt, stehe ich oft genug selbst dumm da – bzw. stumm. „Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt“, so der US-amerikanische Schriftsteller Mark Twain. Wie wahr. Als ich neulich mit zwei Freundinnen ein Siegener Lokal besuchte und wir zahlen wollten, musste ich mir mein Portemonnaie auf der Suche nach Kleingeld praktisch direkt unter die Nase halten, weil das Licht so schummrig war. Dieses Fischen im Trüben ging der Bedienung offenbar zu langsam: ungefragt langte sie in mein Münzfach und nahm sich das gesuchte Zwei-Euro-Stück heraus. Sie ließ mich mit einem verdatterten „Äh…“ auf der Zunge zurück.

Wenn jemand stirbt/von uns geht/tot ist und nicht wiederkommt, dann möchte man denen, die noch da sind und das alles verstehen wollen/müssen etwas Tröstendes sagen, ihnen zeigen, dass man für sie da ist – und scheitert doch jedes Mal wieder bei dem kläglichen Versuch, dieses Gefühl in Worte zu fassen. „Es tut mir so leid“ klingt so trivial, „Herzliches Beileid“ so furchtbar antiquiert – und das Angebot, immer da zu sein, irgendwie nach leerer Versprechung. Kann ich denn überhaupt irgendetwas sagen oder schreiben, was den Tod irgendwie erträglicher macht? Ist das überhaupt das Ziel?

Wenn Flüchtlingsunterkünfte angezündet werden und davor eine fahnenschwenkende Masse „Wir sind das Volk“ skandiert, dann bin ich sprachlos vor Wut und Verständnislosigkeit. Dann geht mir einfach nicht in den Kopf, woher all diese Angst und der Hass kommen, und wie jemand das Glück, in Frieden und Freiheit zu leben, nicht als solches begreifen sondern als sein alleiniges Vorrecht erachten kann. „Wenn ihr das Volk wärt, wäre ich Flüchtling“ – das Foto eines Plakats mit dieser Aufschrift entstand auf einer PEGIDA-Gegendemonstration. Gut gesagt. Ich stehe immer noch fassungslos da und ringe um Worte.

Zugegeben: das sind wirklich sehr unterschiedliche Situationen. Und doch haben sie meiner Meinung nach eines gemeinsam. Vielleicht ist es nämlich gar nicht so entscheidend, WAS man eigentlich sagt. Sondern dass man es überhaupt tut. Ein spontanes „Hallo?!“ vom Stapel lässt, wenn jemand ungefragt in unsere Taschen langt. „Es tut mir so leid“ stottert, wo jedes noch so liebgemeinte Wort sinnlos erscheint. Und nicht müde wird zu erklären, warum Menschen auf der Flucht Hilfe verdienen statt Hass.

Ich wünsche uns jedenfalls allen, Worte zu finden. Ob es immer die richtigen sind – wer vermag das schon zu sagen?

 

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  • DSC_4458: Christina Spill

Ganz individuell

Kennen Sie eigentlich schon Didis Obststandl? Nein? Das sollten Sie schleunigst ändern. Den Imagefilm zu Didis Obststandl schaue ich mir immer wieder gerne an, wenn mir ein Auftraggeber für einen Imagetext folgenden Tipp gibt: „Toll wäre, wenn Sie auch noch erwähnen würden, dass wir individuell auf Kundenwünsche eingehen.“

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich weiß ja ganz genau, was Sie meinen. Das Problem beim individuellen Kundenwunscheingang ist nur: Alle anderen tun’s ja auch – überall, mit jedem Produkt und jeder Dienstleistung. Deswegen ist es wichtig in Worte zu fassen, WIE Sie individuell auf Ihre Kunden eingehen. Wenn Sie Schaukelpferde herstellen, dann sollten wir vielleicht erwähnen, dass Sie sie auch nach Kinderzeichnungen bemalen lassen, dass man seine Lieblingsknöpfe als Schaukelpferdaugen einarbeiten oder dem Holzpony die selbe Frisur wie dem Nachwuchs zaubern kann.

Wenn Sie noch nicht so genau wissen, worauf ich hinaus möchte, tun Sie mir einen Gefallen: Machen Sie die Augen zu und hören Sie sich das Video zu Didis Obststandl erstmal nur an. Achten Sie besonders auf die Texte des Sprechers mit der markanten Stimme. Noch besser: Lassen Sie einen völlig Unbeteiligten zuhören und dann raten, um was für ein Unternehmen es sich handelt.

 

 

Falls Sie „S’Lebn is a Freid! Die Mutter aller Imagefilme.“ mögen, interessiert Sie vielleicht auch der thematisch passende Recruitingfilm „Total authentisch“:

 

 

Und wenn das Ganze Sie wider Erwarten nicht zum Schmunzeln gebracht haben sollte – sei’s drum. Geschmäcker sind halt (individuell) verschieden.

Auf bald

Ihre Christina Spill